Unser Lech: Natur und Energie im Einklang denken

Kinsau. Unter dem Titel „Unser Lech – Natur und Energie“ lud der Kreisverband Landsberg von Bündnis 90/Die Grünen am vergangenen Freitag zu einer Exkursion an die Lechstaustufe bei Kinsau ein. Gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Toni Hofreiter, Landrätin Daniela Groß, Peter Satzger vom BUND Naturschutz sowie Thomas Maisterl vom Fischereiverband Oberbayern diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Zukunft des Lechs und die Frage, wie Naturschutz und Energiegewinnung künftig besser miteinander in Einklang gebracht werden können.

Der Lech prägt den Landkreis Landsberg wie kaum ein anderes Landschaftselement. Mit dem Lechwehr in Landsberg bestimmt er zugleich das Erscheinungsbild der Kreisstadt. Gleichzeitig gilt der Lech als der am stärksten durch Querbauwerke verbaute und aufgestaute Gebirgsfluss Deutschlands. Die Nutzungsrechte für die Wasserkraftwerke wurden vor rund 80Jahren für 90 Jahre vergeben und laufen in den kommenden Jahren schrittweise aus. Nach Ansicht der Referenten eröffnet dies die Chance, die künftige Nutzung des Flusses neu zu gestalten und dabei ökologische Verbesserungen mit einer weiterhin sicheren Energieerzeugung zu verbinden.

Vor Ort erläuterten Peter Satzger und Thomas Maisterl die ökologischen Auswirkungen der Staustufen. Aus Sicht der Fischerei stehe die Wiederherstellung eines intakten Lebensraums für die heimischen Fischarten an erster Stelle. Eine entscheidende Rolle spiele dabei das sogenannte Geschiebe – Kies und Gesteinsmaterial, das natürlicherweise aus den Alpen flussabwärts transportiert wird. Durch die zahlreichen Staustufen werde dieser Transport jedoch weitgehend unterbrochen. Dadurch fehlten Kiesbänke, die für viele Fischarten als Laichplätze unverzichtbar seien.

Hinzu komme die Erwärmung des Wassers in den Stauseen. Gemeinsam mit den Teilnehmenden maß Satzger die Wassertemperatur an der Lechstaustufe bei Kinsau. Sie lag bei 20,9 Grad Celsius. In Augsburg wurden zuletzt bereits Temperaturen von über 24 Grad gemessen. Dies zeigt die starke Erwärmung durch die Aufstauung. Für empfindliche Arten wie die Bachforelle, die dauerhaft nur Temperaturen von etwa 18 bis 19 Grad verträgt, stelle dies eine erhebliche Belastung dar. Auch die einst charakteristische Äsche sei im Lech inzwischen kaum noch anzutreffen.

Satzger erläuterte außerdem, dass sich der Lech infolge der Begradigung und des fehlenden Geschiebenachschubs immer tiefer in sein Flussbett eingräbt. Toni Hofreiter erklärte, dass damit zugleich auch der Grundwasserspiegel in der Umgebung absinke. Dies erhöhe die Anfälligkeit der angrenzenden Flächen gegenüber Trockenperioden und verschärfe die Auswirkungen des Klimawandels.

Ein weiteres Risiko sehen beide Verbände in einem möglichen sogenannten Sohlendurchbruch. Dabei könnte die schützende Flussohle so weit abgetragen werden, dass Flusswasser verstärkt in das Grundwasser eindringt. Zwar verfüge der Lech über eine vergleichsweise gute Wasserqualität, sie reiche jedoch nicht an die Qualität des Grundwassers heran. Ein solcher Prozess hätte weitreichende Folgen für die Trinkwasserversorgung der Region und müsse deshalb unbedingt verhindert werden.

Auch die zunehmende Verlandung der Stauseen wurde als Herausforderung benannt. Mit der Zeit lagern sich große Mengen an Sedimenten ab, wodurch das Speichervolumen der Staubereiche kontinuierlich abnimmt.

Aus Sicht des Bund Naturschutzes und des Fischereiverbands braucht es deshalb ein umfassendes Gesamtkonzept für den Lech. Ziel müsse es sein, den natürlichen Transport von Geschiebe wieder zu ermöglichen und gleichzeitig die Durchgängigkeit des Flusses für Fische und andere wassergebundene Tierarten deutlich zu verbessern. Ebenso müsse die Rolle der Wasserkraft als erneuerbare Energiequelle berücksichtigt werden. Sowohl der BUND Naturschutz als auch der Fischereiverband haben hierzu bereits konkrete Vorschläge und Positionspapiere erarbeitet.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Zukunft der Lechkraftwerke, die derzeit zum Uniper-Konzern gehören. Mit dem Auslaufen der jahrzehntealten Konzessionen sehen die Verbände die Möglichkeit, die Kraftwerke wieder in öffentliche Hand zu überführen und ihre künftige Nutzung stärker am Gemeinwohl auszurichten.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde deutlich, dass die Zukunft des Lechs weit über den Landkreis Landsberg hinaus von Bedeutung ist. Die Frage, wie Wasserkraft ökologisch verträglich genutzt und gleichzeitig wertvolle Flusslandschaften erhalten werden können, wird Bayern und ganz Deutschland in den kommenden Jahrzehnten intensiv beschäftigen.