Im Controlling-Bericht werden die vom Landkreis selbst gesetzten Ziele dargestellt und überprüft, inwieweit sie tatsächlich erreicht wurden. Die Themen decken dabei ein breites Spektrum über nahezu alle Sachgebiete hinweg ab. Berichtet wird beispielsweise über Fortschritte bei der Wärmedämmung landkreiseigener Gebäude oder darüber, wie das Steinzeitdorf in Pestenacker für pädagogische Zwecke genutzt wird.
Auch die Wohngeldstelle ist Teil des Berichts. Dort konnte ein zentrales Ziel erneut nicht erreicht werden: Bereits im vergangenen Jahr war vorgesehen, bestehende Rückstände in der Bearbeitung deutlich abzubauen. Dieses Ziel wurde auch im aktuellen Berichtszeitraum verfehlt; die Fallzahlen im Rückstand bleiben weiterhin hoch.
Als Reaktion darauf wurden zwischenzeitlich organisatorische Anpassungen vorgenommen. Unter anderem wurde der Parteiverkehr zeitlich eingeschränkt, um den Mitarbeiterinnen mehr Kapazitäten für die Sachbearbeitung zu verschaffen und die Zahl zeitintensiver Kundengespräche zu reduzieren. die Bearbeitungszeit für einen Antrag betrage derzeit etwa ein halbes Jahr.
Renate Standfest (Grüne) weist auf diesen Missstand hin. Hinter den Bearbeitungsrückständen stünden zahlreiche Menschen, die dringend auf Unterstützung angewiesen seien. Lange Wartezeiten führten teilweise dazu, dass Betroffene keine Wohnung anmieten könnten, weil Bewilligungen fehlten. Sie betonte, dass hier deutlich mehr Energie investiert werden müsse, damit insbesondere einkommensschwache Haushalte zeitnah die ihnen zustehenden Leistungen erhalten.
Die Verwaltung stellte klar, dass nicht räumliche Kapazitäten das Problem seien, sondern fehlendes Personal. Es sei schwierig, ausreichend qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen. Neue Kräfte müssten zudem über einen längeren Zeitraum eingearbeitet werden. Wiederholt habe es Personalabgänge gegeben, was die Situation zusätzlich verschärft habe. Dieses Problem bestehe jedoch bundesweit. Man arbeite intensiv daran, die Rückstände abzubauen. Erschwerend komme der deutliche Anstieg der Antragszahlen hinzu.
Auf die Frage von Standfest, wie die „Welle“ an Anträgen bewältigt werden könne, verwies die Verwaltung auf laufende Stellenausschreibungen. Das Problem sei erkannt, eine kurzfristige Lösung gebe es jedoch nicht, auch wenn zusätzliche Stellen vorgesehen seien.
Peter Friedl (Grüne) fragte, ob angesichts des bundesweiten Problems der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ein Ansatz sein könne. Die Verwaltung verwies auf ein Pilotprojekt in einem bayerischen Landkreis, bei dem sich die Bearbeitungszeit erheblich reduziert habe. Allerdings müssten entsprechende Software eingeführt und Mitarbeitende geschult werden. Das Thema werde aktiv geprüft. Friedl betonte abschließend, dass dies ein sinnvoller Schritt wäre, von dem alle Beteiligten profitieren könnten.
Kommentar v. Kilian Fitzpatrick (Kreisrat): Es ist besonders problematisch, dass ausgerechnet die sozial schwächsten Menschen von diesen Engpässen betroffen sind. Auch wenn die Lage für die Verwaltung ebenfalls herausfordernd ist: Lange Bearbeitungszeiten beim Wohngeld treffen jene, die ohnehin finanziell unter Druck stehen, am härtesten – mit ganz konkreten Folgen etwa bei der Wohnungssuche oder der Sicherung des Lebensunterhalts. Wenn staatliche Unterstützung zu spät ankommt, verfehlt sie ihren Zweck. Gerade in diesem sensiblen Bereich sollte es daher oberste Priorität sein, Verfahren zu stabilisieren und Rückstände konsequent abzubauen.